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THEMA: Gab es eine Restauration des Kapitalismus in vormals sozialistischen Staaten vor 1989/1990?

Aw: Gab es eine Restauration des Kapitalismus in vormals sozialistischen Staaten vor 1989/1990? 1 Jahr, 10 Monate her #1009

  • i.A. Lion Wagner
Zunächst ist der Begriff „Produktionsmittel-Eigentumsbewusstsein“ zu klären, um dessen Träger zu ermitteln. Vorangestellt sei folgende Definition:
Das Produktionsmittel-Eigentumsbewusstsein ist die Widerspiegelung (wahr oder falsch) des materiellen Seins, d.h. des Produktionsmittel-Eigentumsverhältnisses; der sachlich-psychischen Beziehungen zu den Produktionsmitteln und-bedingungen, sowie Produkten und der Verteilung der Produkte.
Produktionsmittel-Eigentumsbewusstsein beruht primär auf dem materiellen Sein der Produktionsmittel-Eigentumssubjekte. Dieses Sein besteht
- erstens in der allgemeinen Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel und-bedingungen, sowie Produkte;
- zweitens in der besonderen Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel und-bedingungen, sowie Produkte;
- drittens in den sachlich-psychischen Beziehungen zu den Produktionsmitteln und-bedingungen, sowie Produkten und
- viertens in der Verfügungsgewalt über den Maßstab der Produkteverteilung.
Aus der Anmerkung 2 des Pkt. 1.1 des 2. Beitrags ersehen Sie das Wesen der allgemeinen und besonderen Verfügungsgewalt. Das allgemeine Produktionsziel der Kapitalisten kann als ein Bestreben zu ständig wachsender Mehrwertgrößenproduktion, zwecks möglichst ständig wachsender Privatkonsumtion (Revenue) und Sicherung der Revenuebasis mittels Bestehen im Konkurrenzkampf nachgewiesen werden. Erscheinungen der besonderen Verfügungsgewalt sind z.B. die Bestimmung der Warenpreise, der anzuwendenden Produktionsmittel und technologischen Verfahren, der Arbeitsorganisation, der Investitionsplanung, der Aufteilung des Verkaufserlöses in Lohn, Revenue und produktiven Gewinnanteil (Produktionsmittel-Reproduktionsanteil). Erscheinungen der sachlich-psychischen Beziehungen sind z.B. die Verbundenheit mit den Produktionsmitteln wegen persönlicher Arbeitsleistung bis hin zu einer gewissen Selbstverwirklichung, die mit diesen erbracht bzw. erreicht wurde; sowie die Verbundenheit mit den Produktionsmitteln infolge ihres gewohnten Gebrauches. Die Produktionsmittel-Eigentumssubjekte folgen nun aus den o.g. 4 Elementen des Systems des Produktionsmittel-Eigentumsbewusstseins. Die Fremd-Geldkapitalisten oder unternehmensfremden sogenannten Kapitalgeber als Großaktionäre haben allgemeine Verfügungsgewalt und indirekte besondere Verfügungsgewalt, weil sie die besondere Verfügungsgewalt an die Manager verliehen haben. Somit erfüllen die Großaktionäre den Status „Produktionsmitteleigentümer“ hinreichend (sh. BGF-Broschüre „Produktionsmittel-Eigentumsfrage, S.13/14). Wegen der Bestimmung des allgemeinen Produktionsziels und dem Recht die besondere Verfügungsgewalt verleihen zu können, ist bei den Großaktionären die Basis für ein gewisses Produktionsmittel-Eigentumsbewusstsein gegeben. Den Managern, die keine Kapitalanleger in dem von ihnen geführten Unternehmen sind, scheint vielleicht keine allgemeine Verfügungsgewalt zu obliegen. Weil aber ihr Lohn nicht ihrer Arbeitskraft-Wertgröße entspricht, sondern hauptsächlich aus fremdproduzierten Mehrwertgrößen besteht, müssen sie an einer stets steigenden Mehrwertgrößenerzeugung interessiert sein. Ihr allgemeines Produktionsziel ist daher gleich dem jedes Großaktionärs oder fungierenden (selbst Wertgrößen erzeugenden) Kapitalisten. Sie bestimmen dieses allgemeine Produktionsziel und haben deshalb objektiv ebenfalls allgemeine Verfügungsgewalt. Außerdem besitzen sie uneingeschränkte besondere Verfügungsgewalt und sie haben auch sachlich-psychische Beziehungen zu den Produktionsmittel und -bedingungen sowie Produkten. Bei den Managern liegt deshalb die Grundlage für ein relativ hohes Produktionsmittel-Eigentumsbewusstsein vor. Da an sie jedoch die besondere Verfügungsgewalt nur verliehen wurde (Voraussetzung: Keine Kapitalanlage im geführten Unternehmen.), erfüllen diese Manager die Einheit von allgemeiner und besonderer Verfügungsgewalt und somit den Status „Produktionsmitteleigentümer“ nicht. Die folgenden Führungsebenen besitzen auch eine relativ hohe besondere Verfügungsgewalt und es bestehen höchste sachlich-psychische Beziehungen zu den Produktionsmittel und -bedingungen sowie Produkten. Das bildet die Basis für ein ebenfalls relativ hohes Produktionsmittel-Eigentumsbewusstsein. Die weiteren sozialen Schichten in der Unternehmenshierarchie, also die wissenschaftlich-technisch-ökonomische Intelligenz, die Techniker und Meister und die Facharbeiter haben je nach ihrer Stellung im arbeitsteiligen Produktionsprozess entsprechende besondere Verfügungsgewalt und sachlich-psychische Beziehungen (Anmerkung) inne. Aus dem Vorstehenden folgt, dass es nicht „dass Produktionsmittel-Eigentumsbewusstsein“, sondern nur einen Produktionsmittel-Eigentumsbewusstseinsgrad geben kann. Eine quantitative Bestimmung des jeweiligen Einflusses der eingangs unserer Antwort genannten 4 Elemente des Produktionsmittel-Eigentumsbewusstseins auf dessen Grad ist problematisch und kann von uns derzeit nicht geleistet werden. Schließlich ist zu betonen, dass also Produktionsmittel-Eigentumsbewusstsein ohne dem Vorliegen der allgemeinen Verfügungsgewalt und des Status „Produktionsmitteleigentümer“ möglich ist. Der Grund dafür ist in einer falschen Widerspiegelung des materiellen Seins im Bewusstsein des Proletariats zu suchen, d.h. darin, dass die Unterordnung der besonderen Verfügungsgewalt und sachlich-psychischen Beziehungen unter die allgemeine Verfügungsgewalt nicht bewusst ist.

Anmerkung:
Von den Hilfsarbeitern wurde abgesehen, da deren besondere Verfügungsgewalt und auch deren sachlich-psychische Beziehungen nur ein insgesamt vernachlässigbares Produktionsmittel-Eigentumsbewusstsein ergeben können.


Freundschaftliche Grüße
i.A. Lion Wagner
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